Achtung es stürmt!

Mein letzter Blog ist schon ein gutes halbes Jahr her…es ist viel passiert. Er endete mit dem Zitat von Annika & Tommy „Der Sturm wird immer stärker“ & Pipi Langstrumpf „Das macht nichts, ich auch!“

Also eins ist sicher, der Sturm in meinem Leben ist verdammt stark! Es fängt Anfang Mai an, als es meinem Papa schwindelig wird. Verdacht auf Schlaganfall… Die Ärzte stellen fest, es war wohl ein kleines „Schlägle“, er hat „Glück gehabt“. Mein Papa kommt in Reha nach Freiburg, dort folgen weitere Schlaganfälle, die 1 Woche unbemerkt bleiben (in einer Nervenklinik!!) und nur aufgrund meines komischen Gefühls wird er 2 x in die Notaufnahme geschickt, wo sie beim 2. Mal eine Explosion im Kopf feststellen. Er kann nicht mehr reden, nicht mehr aufstehen. Wir ziehen also sofort für einige Tage nach Freiburg. Mama, Benni, Sally (Papas Hund) und ich. Die Ärzte suchen nach der Ursache, das Herz ist es nicht; kurze Erleichterung. Doch dann die Hiobs-Botschaft: ein Tumor in der Bauchspeicheldrüse, der bereits gestreut hat. Ich bin jeden Tag an seiner Seite, bringe ihm frische Säfte, Obst und Gemüse, denn es ist wirklich ein Skandal was Krankenhäuser Menschen zu essen geben.

Ich bin überzeugt, dass es Hoffnung gibt. Doch alle Ärzte sind knall hart und sagen mir, ich soll mich darauf einstellen, dass er bald nicht mehr da ist. „Das stimmt nicht, ich werde es euch beweisen“ sagt meine innere Stimme. Also holen wir Papa so schnell wie möglich nach Hause und machen es ihm hier so schön wie möglich. Seine Sprache und auch die Motorik werden jeden Tag wieder besser, meine Hoffnung bleibt und ich bin überzeugt, dass wir einen Weg finden werden, das Wachstum des Tumors einzudämmen. Doch schon 2 Wochen später müssen wir uns wirklich verabschieden. Es ist nicht zu glauben, absolut unrealistisch. Mein Papa ist mein Held, mein Vorbild und meine Säule, auf der ich getragen werde. Ich will ihn nicht verlieren und doch weiß ich in dem Moment, dass es das einzige ist, was ich ihm noch Gutes tun kann, ihn gehen zu lassen. Er kann nicht mehr, der Krebs frisst seine Organe von innen auf und ich merke, er hat sich entschlossen diese Erde und seinen Körper zu verlassen und in eine neue Ebene einzutauchen. Die Ärzte hatten recht… Und das alles innerhalb 4 Wochen, es ist unfassbar.

Es ist das Schlimmste was mir je passiert ist. Es ist nicht zu beschreiben und ich weiß jetzt, dass niemand dieses Gefühl verstehen kann, der es nicht schon selbst erlebt hat. Zum Gück! Kein Anruf mehr, keine coole Whats-App Nachricht. Keine Geschichten von seinen vielen Reisen und Erfahrungen, keine Umarmung. Dieser Verlust wird für immer ein riesies Loch in meinem Herzen hinterlassen. Jeder schöne Moment hat jetzt auch eine sehr traurige Seite, denn Papa ist nicht mehr dabei und ich kann es nicht mehr mit ihm teilen, zumindest nicht so, wie wir es gewohnt sind. Wir hatten ein sehr inniges Verhältnis, er war mein absolutes Vorbild und hatte für alles den richtigen Rat auf Lager. Wenn er mit im Raum war, war alles in Ordnung, er konnte Vertrauen und positive Stimmung verbreiten, ohne dass er viel tun musste. Er fehlt mir sehr.

2 Tage bevor mein Papa gestorben ist, bekommt meine Mama die Diagnose Brustkrebs. „Euch bleibt ja wirklich nichts erspart“ sind die Worte meines Vaters, als ich ihm davon erzähle. Nach seiner Beerdigung folgen also die nächste Kranhausbesuche, eine OP, Bestrahlungen und jetzt eine Anti-Hormon Therapie für die nächsten 5 Jahre. Die gute Nachricht ist, dass dieser Krebs eine gute Heilungschance hat und es bei meiner Mama früh erkannt wurde!

Meine Mama ist super stark und ich bin sehr stolz auf sie, dass sie trotz aller Umstände weitermacht und kämpft! Ich verbringe sehr viel Zeit mit ihr und genieße es sehr, die Tochter-Mutter Beziehung nun nochmals auf eine ganz andere Tiefe zu spüren. Sie ist ein riesen Geschenk!

2020 hat aber noch mehr zu bieten. Mein lieber Benni verliert seinen Job und steht vor eigenen Herausforderungen, obwohl er eigentlich schon ziemlich beschäftigt ist, mich und meine Mama zu supporten, was er in der Tat überragend macht und das muss ich an dieser Stelle auch nochmals besonders betonen. Ich kenne mich selbst manchmal nicht mehr und ich glaube für ihn war bzw. ist das alles auch keine leichte Situation und doch ist er einfach da und schenkt uns unermüdlich seine Energie und Hilfe. ❤️

Es folgt die nächste Veränderung: Nun gehen 10 Jahre trend factory auch bei mir zu Ende. Eine wilde, unvergessliche und sehr prägende Zeit als Eventmanagerin in einer Agentur. Manchmal ist es nicht von Anfang an klar, warum etwas im Leben so kommt, wie es kommt und was das Leben mit uns vor hat. Doch auch wenn ich noch nicht weiß, wie es weiter geht, bin ich überzeut, dass eine neue Türe aufgeht, wenn sich eine alte schließt (und der alte Schlüssel nicht mehr passt). Tief in mir spüre ich, dass es die richtige Zeit ist neue Wege zu gehen und auch wenn ich dazu nun etwas gezwungen werde, ist es gut so! Anscheind habe ich das gebraucht!

All das in nur 6 Monaten! Klar ist, bis Mai 2020 habe ich ein sehr glückliches und unbeschwertes Leben geführt! Ich stehe jetzt also vor der Entscheidung ob mich der Sturm aushebeln und mir den Boden unter den Füßen wegreißen darf oder ob ich stärker werde als der Sturm und meine Wurzeln tief in den Boden schlage, so dass ich vielleicht meine Äste im Stum biegen, aber ich den Kontakt zur Erde nicht verliere.

Ich entscheide mich für Zweiteres. Aber leicht ist es nicht. Mit Sicherheit werde ich diese Phase mit einigen Narben und der ein oder anderen Macke verlassen, die mir (und anderen Menschen) hoffentlich in Zukunft immer wieder Mut geben, nicht aufzugeben und stark zu sein.

Ich nehme meinen Papa – mehr denn je – zum Vorbild, denn er hat immer das gemacht, worauf er Lust hatte und was ihn glücklich gemacht hat. Er war total glücklich, wenn er einer seiner vielen Leidenschaften nachgehen konnte und vor allem seine Erfahrungen in geselliger Runde mit anderen Teilen konnte. Deshalb teile ich auch diese (leider nicht so schöne) Erfahrung mit euch.

All die Erinnerungen an 34 Jahre mit dem besten Papa der Welt und die Tatsache, dass er sein Leben gelebt hat und mir so viel an Wissen und Erfahrung geschenkt hat, lassen meine Wurzeln noch tiefer wachsen. Ich versuche den „Lauf des Lebens“ zu akzeptieren und das „Große Ganze“ zu sehen. Wir sind alle für eine bestimmte Zeit hier. Ich habe großes Glück einen tollen Papa gehabt zu haben und immernoch eine tolle Mama zu haben. Ich denke, indem wir anerkennen, wo wir her kommen und rausfinden, warum wir genau diese Eltern haen und die damit zusammenhämgenden Erfahrungen gesammelt haben, können wir einen großen Schatz weitergeben. An die Menschen um uns herum und ggf. an unsere eigenen Kinder.

Ich habe das Gefühl mein Papa ist nun auf eine andere Weise bei mir und schenkt mir Kraft und Vertrauen. Er hat es geschafft aus ärmlichen Verhältnissen, in denen er aufgewachsen ist, ein sehr gutes Leben aufzubauen, so dass es meiner Mama und mir an nichts gefehlt hat und wir auch jetzt nach seinem Tod alles haben, was wir für ein gutes Leben brauchen. Das nehme ich als Inspiration, denn auch ich werde jetzt nochmal etwas neu sortieren und mir mein Leben erschaffen, wie es mir gefällt.

Auch wenn mich dieses Jahr ein heftiger Sturm erwischt hat, geht es mir immer noch gut! Ich weiß noch mehr zu schätzen, in welcher Welt ich aufgewachsen bin und welche Möglichkeiten uns heute alle zugänglich sind. Ich versuche die traurigen Momente in meinem Leben mit viel Dankbarkeit auszufüllen und mehr denn je Freude am Leben zu haben. Denn auch wenn eine wichtige Person nicht mehr da ist, wir leben noch und das sollten wir auch wirklich tun! Wir müssen die Zeit hier auf Erden nutzen, denn keiner weiß, wie lange wir da sind und auch die Lieben um uns herum. Wir alle werden diesen Körper früher oder später verlassen und es wäre schade, wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Und ist die aktuelle Zeit nicht genau dafür prädestiniert? Ich denke 2020 und alles was dieses Jahr mit sich bringt, soll uns zum Nachdenken anregen, schenkt uns wieder etwas mehr Demut in unser Herz und lässt uns spüren, worauf es ankommt. Lasst uns diese Gelegenheit nicht entgehen!

Yogasch

Du bist hier auf meiner neuen Seite yogasch.com und das freut mich sehr! Durch meinen Blog kann ich hier mit dir in Verbindung treten, etwas Inspiration verschenken und die Türe zu meiner Zukunft öffnen! Schön, dass du mich dabei begleitest!

DANKE dass es dich gibt und du mich auf meinem Weg dabei unterstützt!
Der nächste Blog folgt schon bald.

Namaste
Deine Nadja

4 Gedanken zu “Achtung es stürmt!”

  1. Oh Wahnsinn Nadja da bekomm ich Tränen in den augen und bin voller Bewunderung für deine Kraft deine Einstellung und deine Power! Das ist der richtige Weg und ich schick dir ganz viel Kraft und Hoffnung für 2021!du packst das da hin ich mir ganz sicher!
    Ganz liebe Grüße
    Svenja

  2. Liebe Nadja,
    Da sitze ich doch tatsächlich mit Tränen in den Augen vor Deinem Blog. Deine Geschichte bringt soviel in mir hoch. Den Tod meines Vaters, die Beziehung zu ihm, meine eigene Erkrankung vor fünf Jahren und die zeitgleiche Erkrankung des Schwiegervaters einer Freundin, der ebenfalls Buachspeicheldrüsenkrebs hatte und an dessen Erkrankung ich meine eigene immer wieder gemessen hatte.
    Er musste gehen. Ich darf noch hier sein. Ich darf sehen, wie meine Jungs zu Männern reifen. Ich darf an deren Prozessen teilnehmen und ich darf mich freuen, jeden Tag als Geschenk zu sehen. Danke für Deine positive Wahrnehmung des Lebens. Du bist ein Geschenk. Dein Vater ist ein Geschenk. Die Beziehung zu ihm ist ein Geschenk.
    Da ist doch schon Weihnachten geworden.
    Ich wünsche Dir weiterhin soviel Lebensfreude, Dankbarkeit und Energie.
    Alles Liebe
    Sanne.

    1. Liebe Sanne. DANKE für das Teilen deiner Erfahrung und deiner Reaktion auf meinen Blog.
      Du bist ein riesen Geschenk und du machst diese Welt zu einem schöneren Ort. Gut dass wir uns kennenlernen durften.
      Pass auf dich auf und genieße das Leben!
      Deine Nadja

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